RADIUS - Ethische Diskurse zum Altern im Umfeld von Robotik und digitaler Technologie

HeiAge - Teilprojekt

Projektleitung: Dr. phil. Sonja Ehret, Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse
Gefördert durch: Carl-Zeiss Stiftung
Dauer: Mai 2020 – April 2023
Offizielle Projektseite: https://orb.iwr.uni-heidelberg.de/heiage/

Projektbeschreibung

Um dem Einsatz von digitaler Technologie und Assistenzsystemen im Leben älterer Menschen abzuwägen und nutzbar zu machen ist es notwendig, ethische und politische Aspekte bereits zu Beginn der technischen Entwicklung zu berücksichtigen.

Ausgehend von vier möglichen ethischen Dilemmata (1) der potenziellen Beschneidung von Autonomie, die mit einer Steigerung des Sicherheitserlebens verbunden sein kann, (2) der Steigerung der Qualität von Therapie, Rehabilitation und Pflege bei gleichzeitig bestehendem Risiko, dass deren Standards in Frage gestellt werden können, (3) die sozial gerechte Anwendung neuartiger Assistenzprodukte und (4) die Möglichkeit der Entlastung von Pflegekräften, die mit der Gefahr der Störung von Pflegeprozessen verbunden sein kann,  sollen weitere Dilemmata in praktischen Kontexten offengelegt und analysiert werden. Diese sollen in eine allgemeine Wertethik übertragen werden.

Die Stichprobe setzt sich zusammen aus (a) 70 älteren Menschen in pflegerischen und rehabilitativen Kontexten (b) 70 Pflegefachkräften; Physiotherapeuten und Ärzten und (c) 70 Repräsentanten von Krankenkassen, Ärzte- und Pflegeverbänden sowie politische Entscheidungsträger. Die grundlegende Methode ist der Dialog (hierzu Ehret 2020), der auf Mikro-, Meso- und Makroebene gestaffelt stattfinden soll.  Ergänzend wird die Methode des Gruppendiskussionsverfahrens herangezogen, in denen diskursiv „interaktive Dichte“ (Bohnsack) erzeugt werden soll.

Zielführend stellt sich die Frage, inwieweit durch Robotertechnologie Autonomie im Sinne der ethischen Kategorien Selbstständigkeit, Selbstverantwortung und Mitverantwortung (Kruse 2005) gefördert werden kann, welche ethischen Dilemmata daran geknüpft sind und wie mit diesen umgegangen werden soll.  Dabei wird das hohe und höchste Alter in besonderer Weise berücksichtigt.

Im Bereich der Pflege und Rehabilitation soll die digitale Technologie im Hinblick auf den Rückgang an körperlichen Belastungen und möglichem Zuwächsen in der Versorgungsqualität untersucht werden. Welche ethischen Dilemmata ergeben sich in der Wahrnehmung und Deutung von guter Pflege?

Schließlich stellen wir uns politischen Fragen sozialer Gerechtigkeit in der Dissemination von technischen Produkten mitsamt ihrer Verteilungsgerechtigkeit, die auch Wahlfreiheit impliziert. Die kritische Auseinandersetzung mit all diesen Fragen und Antworten und der darin enthaltenen Chancen und Risiken soll in Empfehlungen und Normen zur Entwicklung und (freiwilligen) Nutzung digitaler Technologien ihren Niederschlag finden.

First Annual Meeting September 2020

 

Verantwortlich: E-Mail
Letzte Änderung: 05.01.2021
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